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Geprüfte/r Finanzanlagen- fachmann/-frau (IHK)


Mit der Zustimmung des Bundesrates zur Verordnung über die Finanzanlagenvermittlung (FinVermV) ist am 30.03.2012 das zweite und letzte Gesetzeswerk zur Neuordnung der Finanzberatung verabschiedet worden.

Ziel des Gesetzes zur Novellierung des Finanzanlagenvermittler- und Vermögensanlagenrechts ist die Stärkung des Anlegerschutzes durch eine schärfere Produktregulierung und eine Erhöhung der Anforderungen an den Vertrieb von Finanzanlagen. Für den Vertrieb von Finanzanlagen durch Banken und durch freie Vermittler sollen im Sinne eines einheitlichen Verbraucherschutzes künftig die gleichen Spielregeln (Berufszugangsregeln und Berufsausübungsregeln) für alle Marktteilnehmer gelten. Damit wird für den Verbraucher ein gleichwertiges Schutzniveau geschaffen, unabhängig davon, ob er Finanzanlagen über Banken oder freie Vermittler erwirbt.
Die neue Finanzanlagenvermittlungsverordnung greift bereits bekannte Elemente aus MiFID (Markets in Financial Instruments Directive) und dem 2007 in Kraft getretenen Versicherungsvermittlerrecht auf. Die inhaltlichen Schwerpunkte des Gesetzes liegen neben einer stärkeren Produktregulierung auf einer deutlich höheren Vertriebsregulierung.

Die Einbindung von Finanzanlagevermittlern in ein strengeres regulatorisches Umfeld erfolgt über neue Berufszugangs- und Berufsausübungsregelungen, die gewerberechtlich über den den § 34f der Gewerbeordnung (GewO) und die Finanzanlagenvermittlungsverordnung (FinVermV) festgezurrt werden.

Gewerberechtliche Erlaubnis

Nach § 34f der GewO gilt: Wer gewerbsmäßig zu

  1. Anteile oder Aktien an inländischen offenen Investmentvermögen, offenen EU-Investmentvermögen oder ausländischen offenen Investmentvermögen, die nach dem Kapitalanlagegesetzbuch vertrieben werden dürfen (offene Investmentvermögen)
  2. Anteile oder Aktien an inländischen geschlossenen Investmentvermögen, geschlossenen EU-Investmentvermögen oder ausländischen geschlossenen Investmentvermögen, die nach dem Kapitalanlagegesetzbuch vertrieben werden dürfen (geschlossene Investmentvermögen)

  3. Vermögensanlagen im Sinne des § 1 Absatz 2 des Vermögensanlagengesetzes

Anlageberatung oder Anlagevermittlung erbringen will, bedarf der Erlaubnis der zuständigen Behörde.

Entsprechend dieser Unterteilung kann eine Erlaubnis für alle Teilbereiche oder für einzelne Teilbereiche beantragt und erteilt werden. Anders als im Recht der Versicherungsvermittler hat der Bundesgesetzgeber für Finanzanlagenvermittler keine Regelung über die Zuständigkeit für die Erlaubniserteilung nach § 34f GewO getroffen, sondern die Entscheidung dem Landesgesetzgeber überlassen. Die zuständigen Behörden sind damit – je nach Bundesland unterschiedlich – entweder die Industrie- und Handelskammer, oder die Gewerbeämter, Kreisgewerbebehörden oder Kreisordnungsbehörden.

Die Registrierung erfolgt obligatorisch im Vermittlerregister. Zu diesem Zweck wurde das Versicherungsvermittlungsregister um den Bereich „Finanzanlagenvermittler“ erweitert.

An folgende Voraussetzungen ist eine Erlaubnis und Registrierung geknüpft:

  1. Gewerberechtliche Zuverlässigkeit und geordnete Vermögensverhältnisse
    Eine gewerberechtliche Zuverlässigkeit ist gegeben, wenn für den Antragsteller innerhalb der letzten 5 Jahre keine rechtskräftige Verurteilung wegen Vermögensdelikten oder Insolvenzstraftaten erfolgte. Geordnete Vermögensverhältnisse liegen vor, wenn der Antragsteller sich nicht in einem Insolvenzverfahren befindet und keine Einträge im Schuldnerverzeichnis vorliegen.

  2. Abschluss einer Vermögensschadenshaftpflichtversicherung
    Die Vermögensschadenshaftpflichtversicherung soll Vermögensschäden bis 1,13 Mio. Euro pro Versicherungsfall bzw. 1,7 Mio. Euro für alle Versicherungsfälle eines Jahres decken.

  3. Sachkundenachweis
    Sofern keine Abschlusszeugnisse über bereits bestehende und anerkannte Berufsausbildungen vorliegen, muss eine IHK-Prüfung bestanden werden.

Anerkannte Berufsausbildungen

Folgende Berufsqualifikationen werden als Nachweis der erforderlichen Sachkunde anerkannt:

  1. Abschlusszeugnis

    a. als geprüfter Bankfachwirt oder -wirtin (IHK),
    b. als geprüfter Fachwirt oder -wirtin für Versicherungen und Finanzen (IHK),
    c. als geprüfter Investment-Fachwirt oder -wirtin (IHK),
    d. als geprüfter Fachwirt oder -wirtin für Finanzberatung (IHK),
    e. als Bank- oder Sparkassenkaufmann oder -frau,
    f. als Kaufmann oder -frau für Versicherungen und Finanzen „Fachrichtung Finanzberatung“ oder
    g. als Investmentfondskaufmann oder -frau;

  2. Abschlusszeugnis

    a. eines betriebswirtschaftlichen Studiengangs der Fachrichtung Bank, Versicherungen oder Finanzdienstleistung (Hochschulabschluss oder gleichwertiger Abschluss) oder
    b. als Fachberater oder -beraterin für Finanzdienstleistungen (IHK) mit abgeschlossener allgemeiner kaufmännischer Ausbildung,
    c. als Finanzfachwirt oder -wirtin (FH) mit einem abgeschlossenen weiterbildenden Zertifikatsstudium an einer Hochschule,

    wenn zusätzlich eine mindestens einjährige Berufserfahrung im Bereich Anlageberatung oder -vermittlung vorliegt;

  3. Abschlusszeugnis

    als Fachberater oder -beraterin für Finanzdienstleistungen (IHK), wenn zusätzlich eine mindestens zweijährige Berufserfahrung im Bereich Anlageberatung oder -vermittlung vorliegt.

Eine Prüfung, die ein mathematisches, wirtschafts- oder rechtswissenschaftliches Studium an einer Hochschule oder Berufsakademie erfolgreich abschließt, wird als Nachweis anerkannt, wenn die erforderliche Sachkunde beim Antragsteller vorliegt. Dies setzt in der Regel voraus, dass zusätzlich eine mindestens dreijährige Berufserfahrung im Bereich Anlagevermittlung oder -beratung nachgewiesen wird.

Sachkundeprüfung

Durch die Sachkundeprüfung wird der Nachweis über die erforderlichen fachspezifischen Produkt- und Beratungskenntnisse erbracht.

Die Sachkundeprüfung läuft wie folgt ab:

  1. Allgemeiner Teil (Kenntnisse für Beratung und Vertrieb von Finanzanlageprodukten
    Fragen: 20 geschlossene Single- oder Multiple-Choice-Fragen
    Dauer: 30 Minuten

  2. Teilprüfung „Investmentfonds“
    Fragen: 30 geschlossene Single- oder Multiple-Choice-Fragen
    Dauer: 45 Minuten

  3. Teilprüfung „Geschlossene Fonds“
    Fragen: 30 geschlossene Single- oder Multiple-Choice-Fragen
    Dauer: 45 Minuten

  4. Teilprüfung „Sonstige Vermögensanlagen“
    Fragen: 30 geschlossene Single- oder Multiple-Choice-Fragen
    Dauer: 45 Minuten

  5. Praktische Prüfung
    Alle geprüften Bereiche werden gesondert bewertet und müssen mit jeweils 50 Prozent bestanden werden. Unabhängig vom Schwierigkeitsgrad (leicht, mittel, schwer) wird jeweils 1 Punkt pro Aufgabe vergeben. Bei Multiple-Choice-Aufgaben gilt das „Alles oder nichts Prinzip“. Nur dann, wenn ein Prüfungsteilnehmer alle richtigen Antworten vollständig ankreuzt, wird die Aufgabe mit einem Punkt bewertet.

Im praktischen Prüfungsteil, der als Simulation eines Kundenberatungsgespräches durchgeführt wird, wird jeweils ein Prüfling geprüft. Das Gespräch wird auf Grundlage einer Fallvorgabe durchgeführt, die auf eine Situation Finanzanlagenvermittler und Kunde Bezug nimmt. Auch der praktische Prüfungsteil ist bestanden, wenn der Prüfling mindestens 50 Prozent der erreichbaren Punkte erzielt

Der praktische Teil der Prüfung ist nicht zu absolvieren, wenn der Prüfling

  1. eine auf die in § 3 Absatz 2 Satz 1 Nummer 1 FinVermV genannte Kategorie von Finanzanlagen beschränkte Sachkundeprüfung ablegt (offene Investmentvermögen)  und

    a. eine Erlaubnis nach § 34d Absatz 1 (Versicherungsvermittler) oder § 34e Absatz 1 (Versicherungsberater) der Gewerbeordnung hat oder

    b. einen Sachkundenachweis im Sinne des § 34d Absatz 2 Nummer 4 der Gewerbeordnung oder einen diesem nach § 19 Absatz 1 der Versicherungsvermittlungsverordnung gleichgestellten Abschluss besitzt oder

  2. eine Folgeprüfung zur Erweiterung einer nach § 34f Absatz 1 Satz 3 der Gewerbeordnung auf einzelne Kategorien von Finanzanlagen beschränkten Erlaubnis ablegt.

Übergangsregelung für Inhaber einer Erlaubnis nach § 34c GewO (galt bis 30.06.2013)

Inhaber der Gewerbeerlaubnis nach §34c GewO (Anlagevermittlung bzw. -beratung) erhielten in einem vereinfachten Erlaubnisverfahren eine vorläufige Zulassung. Sie mussten allerdings bis zum  30.06.2013 eine Zulassung nach §34f GewO beantragen und sich registrieren lassen.  Der Sachkundenachweis muss in diesem Fall erst bis zum 01.01.2015 nachgewiesen werden.

Berufsausübungsregeln

Neben den genannten Berufszugangsregeln sieht das Gesetz auch einige Berufsausübungsregeln vor. Hierzu zählen unter anderem:

  • Informationspflichten gegenüber dem Anleger, einschließlich einer Pflicht, Provisionen und andere Zuwendungen offenzulegen und dem Anleger ein Informationsblatt über die jeweilige Finanzanlage zur Verfügung zu stellen
  • Pflicht bei Anleger Informationen einzuholen um ihn anlage- und anlegergerecht zu beraten
  • Informations-, Beratungs- und Dokumentationspflichten.

Honoraranlageberatungsesetz

Mit dem "Gesetz zur Förderung und Regulierung einer Honorarberatung über Finanzinstrumente (Honoraranlageberatungsesetz)" wird nun erstmals die Honorarberatung als eigenständiges Berufsbild etabliert. Fast unbemerkt von der Fachöffentlichkeit wurde dieses Gesetz im Juli im Bundesgesetzblatt veröffentlicht. Mit diesem Gesetz wird zusätzlich zur bisherigen Anlageberatung durch KWG-Vermittler („tied agents“) oder Finanzanlagenvermittler unter dem Begriff der Honorar-Anlageberatung eine neue gesetzlich definierte Form der Anlageberatung geschaffen und auch gesetzlich geschützt. Das Honoraranlageberatungsgesetz orientiert sich dabei an MiFID II (Markets in Financial Instruments Directive), die unter dem Begriff „unabhängige Beratung“ ein vergleichbares. .Konzept für die honorargestützte Anlageberatung verfolgt

Das Gesetz richtet sich an zwei verschiedene Zielgruppen: Honorar-Anlageberater und Honorar-Finanzanlagenberater.

Honorar-Anlageberater erbringen ihre Dienstleistungen als Arbeitnehmer oder gebundene Vermittler für Wertpapierdienstleistungsunternehmen, beraten zum gesamten Spektrum an Finanzinstrumenten, unterliegen hinsichtlich ihrer Verhaltes-, Transparenz- und Organisationspflichten den Regelungen des WpHG, werden über die BaFin beaufsichtigt und zukünftig im Honorar-Anlageberaterregister eingetragen. Wertpapierdienstleistungsunternehmen, welche zukünftig provisions- und honorarbasiert Anlageberatung anbieten, müssen diese personell, funktional und organisatorisch voneinander trennen. Der Anleger muss vor Beginn der Beratung verständlich darüber informiert werden, dass eine Beratung auf Honorarbasis erfolgt. Der Honorar-Anlageberater muss sich einen hinreichenden Marktüberblick verschaffen, den er seiner Empfehlung zugrunde legt. Ferner darf er sich nicht auf eigene oder auf solche Finanzinstrumente beschränken, die von ihm nahestehenden Anbietern oder Emittenten angeboten werden.

Im Gewerberecht wird über den neuen § 34 h Gewerbeordnung der Honorar-Finanzanlagenberater eingeführt. Hinsichtlich der gewerberechtlichen Berufszugangsregelungen, also Erlaubnisverfahren, Registrierung, Vermögensschadenshaftpflichtversicherung und Sachkunde gelten - wie für Finanzan-lagenvermittler auch - die Regelungen der Finanzanlagenvermittlungsverordnung. Die Erlaubnis kann auf die Beratung zu einzelnen Kategorien von Finanzanlagen nach § 34 f Absatz 1 (offene Investmentvermögen), 2 (geschlossene Investmentvermögen), 3 (Vermögensanlagen) beschränkt werden.

Die Berufsausübungsregelungen sind etwas stringenter gefasst. So müssen Honorar-Finanzanlagen-berater ihrer Empfehlung "eine hinreichende Anzahl von auf dem Markt angebotenen Finanzanlagen zu Grunde legen, die von ihrer Erlaubnis umfasst sind und die nach Art und Anbieter oder Emittenten hinreichend gestreut [...]" sind.

Des Weiteren darf eine Vergütung nur durch den Anleger erfolgen. Sonstige Zuwendungen durch Dritte dürfen nicht angenommen werden. Sind Finanzanlagen nicht ohne Zuwendungen Dritter erhältlich, müssen diese unverzüglich nach Erhalt und ungemindert an den Kunden ausgekehrt werden. Ansonsten gelten auch für Honorar-Finanzanlagenberater statusbezogene Informationspflichten, die Information des Anleger über Risiken, Kosten und Nebenkosten, die Einholung von Informationen über den Anleger, die Pflicht zur Empfehlung geeigneter Finanzanlagen, die Anfertigung eines Beratungsprotokolls, Aufbewahrungs- und Aufzeichnungspflichten.

Eine gleichzeitige Zulassung nach § 34 f GewO (Finanzanlagenvermittler) und  § 34 h GewO (Honorar-Finanzanlagenberater) ist nicht zulässig.

 

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Kostenlos: § 34f Orientierungstest

Prüfen Sie vorab kostenlos Ihr Wissen in unserem Einstufungstest, er gibt Ihnen Antworten und Lernwegsempfehlungen.

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Unser Tipp

Als Ergänzung zu unseren Seminaren empfehlen wir Ihnen unser Web-Based-Training (WBT) zu dem Thema „Finanzanlagenfachmann/-frau (IHK)“, das Sie noch zusätzlich bei der Vorbereitung unterstützen wird.

Ihr Ansprechpartner

Susanne Sandner

Telefon: 0921 / 75758-667
E-Mail: sandner(at)deutsche-makler-akademie.de

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